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Statement Louis Schnabl

Ethik wirkt nachhaltig

Das Wort eines Kaufmanns gilt. Sein Handschlag ist so gut wie eine Unterschrift. Wettbewerb führt zu mehr Leistung, nicht zu weniger Moral. Und billig ist ein Preis, den beide Seiten billigen können. Sind das Sagen aus alten Zeiten? Rückwärtsgerichtete Marktromantik? Hat Ethik in der Wirtschaft überhaupt noch einen Platz? Oder sind Sitte und Anstand ein Luxus, den wir uns im Überlebenskampf nicht mehr leisten können?

Eine völlig „normale“ Situation: Die Beratung holen wir uns im Fachhandel, gekauft wird dann – ohne Service und Beratung – im Supermarkt. Bewusstes Ausnutzen von Leistung ohne Gegenleistung, nämlich dem Bezahlen per Geschäft hinterher. Da wird der Fachhandel, einen wasserfesten Dreijahresvertrag mit Abnahmegarantie in der Tasche, veranlasst, spezielle Teile für einen Kunden einzulagern. Dann läuft aus einem Grunde die Serie nicht, und damit die vertraglich vereinbarte Abnahme der Spezialteile. Rechtlich sicherlich kein Problem – aber hier spürt dann der Händler häufig die Macht des Faktischen. Mit einem dezenten Hinweis auf das Gesamtvolumen der Geschäftsbeziehung bleibt der Händler nur allzu oft – ohne Wertausgleich – auf seinen Teilen sitzen. Und der Kunde glaubt häufig wirklich, dass er dafür nicht irgendwann „bezahlen“ muss. Anspruch und Realität – gerade im öffentlichen Bereich eine unüberwindbare Diskrepanz. Während die Politiker die Schwarzarbeiter jagen wird die Bundeshauptstadt – natürlich ohne Wissen der Behörden – praktisch zu 50% mit Arbeitskolonnen aus dem Ausland hochgezogen. Und Kommunen gelten bei den Handwerkern längst als die zahlungsunwilligsten Kunden schlechthin – trotz neuer Gesetze.

Und hier beginnt eigentlich das Problem. Ethische Fragen werden häufig nicht mehr ernst genommen. So passiert es, dass Mitarbeiter mit dem Know-how und dem Adressbestand ihres Arbeitgebers zum Wettbewerb gehen und beide darauf noch stolz sind. So passiert es, dass Waren oder Dienstleistungen gekauft werden, bei denen nie die Absicht bestand, den vereinbarten Preis zu bezahlen, sondern mit vorgeschobenen Reklamationen Rabatte erreicht werden, die freiwillig nie gewährt worden wären. Wen wundert es da, dass kaum mehr jemand etwas dabei findet, für private Zwecke dies und jenes mitgehen zu lassen, Chef und Kollegen anzulügen oder montags krank zu feiern?

Lange Zeit galten diese Menschen als ganz schön clever. Erst langsam dämmert es uns allen, dass dieses Verhalten für alle früher oder später ganz schön teuer wird und höchst unsozial ist. Denn es ist Raubbau an den moralischen Ressourcen. Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Anstand oder Gemeinsinn mögen altmodisch klingen. Aber wo Wirtschaft wirklich und lange funktioniert, lebt sie von solchen Tugenden. Wer auf sie verzichtet, sägt den Ast ab, auf dem er sitzt. Vielleicht fällt er selbst noch weich. Nachfolgende Generationen fallen tiefer. Auch in der Ökologie der Moral ist Nachhaltigkeit der entscheidende Faktor. Wollen wir unsere Kinder und Enkel wirklich in eine Gesellschaft entlassen, die auf keine ethischen Ressourcen mehr zurückgreifen kann? Das wäre geradezu fatal.

Hinzu kommt: Verzicht auf Ethik kostet richtig Geld. Und zwar mehr, als man vielleicht an einen allzu cleveren Wettbewerber verliert. Wer nicht auf den Charakter oder wenigstens die Vernunft seiner Partner und Wettbewerber bauen kann, baut auf eigenes Misstrauen. Das hat einen hohen Preis: erhöhte Kosten durch den entsprechenden Mehraufwand für übermäßiges Controlling vorher – und maßlose Rechtsanwalts- und Gerichtskosten nachher. Und das sollte selbst für die ein Argument sein, denen Ethik im Allgemeinen zu teuer ist.

Fachjournalist u. Geschäftsführer HS Public Relations, Düsseldorf